Speed Hiking – Marketing-Gag oder echter Trend?

Auf der Outdoor 2010 in Friedrichshafen wurde er vorgestellt. Der neue Trend aus den USA!

Speed Hiking!

Speedhiking in der Goat Rocks Wilderness

Speedhiking in der Goat Rocks Wilderness

Und weil das aus den USA kommt, findet man auf US-Webseiten auch fast gar nichts zu dem Thema. Man muss wirklich ein bisschen suchen und findet dann ein paar Sachen, die mit dem Speed Hiking wie es in Deutschland betrieben wird wenig zu tun haben. Glaubt man den US-Webseiten, dann bin ich übrigens auch ein Speedhiker. Als solcher bin ich auch vom Trail Magazin interviewed worden. Ab Seite 92 definiere ich den Begriff „Speed Hiking“ etwas anders als das zur Zeit im deutschsprachigen Raum getan wird und darüberhinaus auch noch 2 Monate vor der Outdoor 😉

Die Livestrong Foundation von Lance Armstrong schreibt z.B. zum Thema Speedhiking „For example, some speed hikers have averaged between 20 and 45 miles per day on the PCT“ . Da ich auf dem PCT auch einen Schnitt von über 20 Meilen gelaufen bin, also über 30km am Tag mit Gepäck, darf ich mich wohl Speedhiker nennen. Das Gepäck von PCT-Speedhikern umfaßt eine komplette Trekkingausrüstung plus Lebensmittel und Wasser. Somit ist der amerikanische Speedhiker wohl etwas anders einzuschätzen als der deutsche Speedhiker.

Auch das National Geographic Adventure Magazin hat Speedhiking unter die Lupe genommen. Der Artikel beschreibt den Speedhiker Matt Hazley (Trailname Squeaky), der als erster und einziger Mensch alle 3 großen Trails in den USA am Stück und komplett nacheinander gelaufen ist. Im Jahr 2005 ist Matt 12110km in 239 Tagen gelaufen (ein Durchschnitt von 50,67km am Tag). Wohlgemerkt wieder mit kompletter Ausrüstung.

Der von Scott Williamson gehaltene Speed Hiking Rekord für den Pacific Crest Trail (4200km) liegt bei etwas über 65 Tagen. Hier lag der Tagesdurchschnitt bei 64 Kilometern pro Tag. Und ….ihr wißt es schon…wieder mit kompletter Trekkingausrüstung sowie Lebensmitteln Wasser.

Ansonsten findet man Speedhiking in den USA auch als Nebenveranstaltung von Ultramarathons bei denen Strecken zwischen 50 und 160km am Stück bewältigt werden.

Das in Deutschland von 4 Herstellern gepushte Speed Hiking hat, wenn man Pressemitteilungen verfolgt, wenig bis gar nichts mit dem Vorbild aus den USA zu tun.

Schon seit langem gibt es allerdings auch in Deutschalnd Wander-Events bei denen auf Schusters Rappen lange Distanzen am Stück gelaufen werden. Hier gibt es deutschlandweit Veranstaltungen, die bis dato eher im Verborgenen stattfanden und wenig Beachtung fanden. Für mich schon seit längerer Zeit sehr interessant. Aufmerksam geworden bin ich darauf über den Blog von Strongwalker.

Auch im Forum von Runner’s World, dem weltgrößten Laufmagazin mit deutschem Ableger, gibt es schon lange den Vorläufer von Speedhiking. Unter dem Begriff „Sportliches Wandern“ kann man hier schon lange Veranstaltungen mitmachen und Ausrüstungstipps einholen. Apropos Vorläufer. Mich erinnert die neue Speedhiking Initiative ziemlich stark an die wenig erfolgreiche Nordic Trekking Initiative. Nordic Trekking wurde 2006 erfunden und hat den Durchbrich bis dato nicht geschafft.

Aushängeschild des deutschen Speedhikings ist Peter Schlickenrieder, der im aktuellen DAV-Panorama auch einen kurzen Einblick in Speedhiking und seine ambitionierte Tour auf dem Ötztal-Trek schildert. Knackig, aber ohne komplette Trekkingausrüstung ist er den 220km langen Trail in 7 Tagen von Hütte zu Hütte gelaufen und hat dabei 18.000 Höhenmeter zurückgelegt.

Bin ich gegen Speedhiking?

Die Speedhiking-Bewegung der letzten Zeit ist für mich ein reines Marktinginstrument, dass von 4 Herstellern genutzt wird um Nachfrage zu generieren. Das Speedhiking wie ich es kenne und wie es seit Jahren von Trekkern und Wanderern betrieben wird ist etwas anderes. Sollten die Marketingbemühungen von Lowa, Meindl, Leki und Deuter allerdings dazu führen, dass mehr Menschen rausgehen und sich in der freien Natur bewegen, könnte selbst ich dieser Bewegung etwas postives abgewinnen.

Ein Kommentar zu “Speed Hiking – Marketing-Gag oder echter Trend?

  1. RioLeichtsinn

    Ahoi Carsten,
    es wird halt immer versucht „neue“ Trends zur Umsatzsteigerung aufzutun. Die Grenzen einzelner Sportarten verschmelzen immer mehr und dort wollen die Firmen eben mit schicken Klängen ihre Duftnote setzen.
    „Speedhiking“ klingt schon ziemlich extrem und trendy…
    Zum Glück kann ja jeder für sich selbst entscheiden was er da in der Natur wie schnell erleben will.

    Sehr interessant auf jeden Fall was sich da entwickelt.
    Bin gespannt.
    Gruß, Rio

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