Gran Recorrido 11 (GR11)
Der GR11 verläuft entlang der Pyrenäen über 800 km vom Atlantik zum Mittelmeer und war
im Juni 2005 unser Reiseziel. Es war mein Traum, den GR zu laufen und für Carsten
eine willkommene Möglichkeit zu sehen, ob wir auch unter Weitwander-Bedingungen weiter
als harmonische Paar leben können... Wir können :-)
Am Cabo Higuer, am Leuchtturm des hübschen Städtchens Hondaarríbia, beginnt der Weg,
der den Atlantik mit dem Mittelmeer in 47 Tagesetappen verbindet.
Nach vielen Pässen, unzähligen Tälern und zwei Nationalparks endet
er am Cap Creus, an seinem östlichsten Punkt. Er durchquert das Baskenland,
Arragon, Navarra, Catalunien und Andorra, das kleine Co-Prinzipat, so dass
der Wanderer unterwegs auch verschiedene Sprachen zu hören bekommt. Jedes
einzelne Bundesland Spaniens ist nämlich sehr stolz auf seine Identität.
Bis Isaba, die ersten 120 km des Weges, durchquert der Wanderer hügelige
Landschaften, die ihm immer wieder Aussichten ermöglichen auf die manchmal
schneebedeckten Gipfel und Hänge, die er auf seinem Weg noch passieren wird.
Ab Isaba jedoch nehmen die Höhen stetig zu, das Gelände wird abschnittsweise
sehr steil und ist nur geübten Wanderern zu empfehlen. Die Ausblicke und die
Landschaft entlohnen jedoch immer die auf sich genommene Mühe, so dass auch
am Ende eines anstrengenden Tages sich der Wanderer bereits auf den nächsten
freut. Für Fotografen ist es ein Eldorado, was bedeutet, dass entweder genügend
Filmmaterial oder entsprechend grosse Speicherkarten mit ins Gepäck sollten, da
beides in Spanien nicht günstig sind. Ab Beget, 155 km vor dem Ziel, flachen die
Berge wieder ab und der Wanderer erfreut sich an hügeligen Weideflächen und Wäldern
bis er das Meer erreicht hat, nach insgesamt 837 km, 39500 hochgestiegenen und 39500 wieder abgestiegenen Metern.
Im mittleren, bergigen Abschnitt durchquert der Wanderer unzählige Pässe,
den höchsten mit 2780 m, Schnee- und Geröllfelder, wandert an schönen Gletscherseen
vorbei und Landschaften, die aus einem Märchen stammen könnten. Der Nationalpark
Ordessa mit seinen beeindruckenden Felsmassiven errinert an den Grand Canyon und
wer noch etwas Zeit erübrigen kann, hat sogar die Gelegenheit, Spaniens dritthöchsten
Berg, den Monte Perdido 3355 m zu erklimmen. Der Nationalpark St. Maurici verzaubert
den Wanderer mit seinen opalgrün-glitzernden Bergseen umrahmt von Nadelwäldern und
hohen Gipfeln. Die hängenden Täler, jedes mit einem See bestückt, hätten sich auch
gut als Kulisse für Karl Mays Winnetous Abenteuern geeignet.
Die Tierwelt besticht mit den zahlreichen Adlern, Gämsen und Murmeltieren.
Unerwartet viele wildweidende Pferde mit Kuhglocken um den Hals -mal mehr mal
weniger scheu- sieht der Wanderer selbst auf hohen Pässen und im Tal von La
Mina kurz vor dem Tal Aguas Tuertas geben sich sicher alle Kühe Spaniens ein
Stell-Dich-Ein. Die Füchse sind selten zu sehen und wenn es nachts raschelt im
Laub oder bei der Essenstüte, dann ist es sicher eine Maus, vielleicht sogar
eine mit einem Haarbüschel auf der Schwanzspitze.
Die kleinen Dörfer entlang der Strecke, wie Elizondo, Ochagavía, Isaba,
Torla und Benasque, um nur ein paar zu nennen, sind sehr sehenswert. Alle
sind auf eine solche Weise restauriert und gepflegt, dass man den Eindruck
gewinnt, die Zeit sei stehen geblieben. Jede hat einen Supermarkt, manchmal
Tante-Emma-Läden, in dem der Wanderer seine Lebensmittel für die nächsten
Etappen kaufen kann und gleichzeitig die Region wirtschaftlich unterstützt.
Insgesamt gesehen ist der GR 11 ein sehr schöner, jedoch zeitweise auch
anspruchsvoller Weg, der in uns den Wunsch geweckt hat, dahin zurückzukehren.
Eure Alina
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