Wie ich teste -Warum Blogger subjektiv testen

„Blogger testen ja nicht objektiv“ Na zum Glück! Denn genau das ist die Stärke eines guten Blog-Test-Berichts und bleibt hoffentlich auch so. 

Der Blog liefert den Rahmen

Der Blog liefert den Rahmen

„Blogger testen ja nicht objektiv“. 

Dieser Satz kommt einem häufig unter, wenn es um Blogger-Bezahlung, Bereitstellung von Produkten zur Erstellung von Test-Reviews und ähnliche Dinge geht. Sollte der Blogger hier nämlich auch nur irgendwas bekommen, dann kommt es wohl zu einem subjektivem Testbericht, weil der Blogger ja beinflusst wurde.

Meine Testberichte sind subjektiv! Und zwar jeder einzelne von Ihnen. Ganz egal, ob ich mir das Teil selber gekauft habe, den Artikel gestellt bekommen oder sogar dafür bezahlt worden bin.

Ich kann für mich aber ganz selbstbewusst sagen, dass ich meine Testartikel allesamt unbeeinflusst vom Willen der Hersteller oder PR-Agenturen geschrieben habe und ich mir 100% redaktionelle Freiheit eingeräumt habe.

Zwischen einem subjektivem Test-Report und einem beeinflussten Test-Report ist nämlich ein himmelweiter Unterschied.

Warum sind meine Test-Reviews subjektiv:

  • Ich suche mir Produkte aus, die mich interessieren. Die Auswahl erfolgt von einer Person mit einem reichen Erfahrungsschatz langer Trekkingtouren mit Fokus auf leichter bis ultraleichter Ausrüstung. Zudem habe ich 10 Jahre in Trekkingläden gearbeitet.
  • Ich suche nur Produkte aus, von denen ich glaube, dass sie so funktionieren werden, dass sie genau in diesem Einsatzgebiet erfolgreich eingesetzt werden können.
  • Ich teste in der Regel nicht alle 83,5 Konkurrenzprodukte 
  • Ich teste nicht unter Laborbedingungen, sondern in „meiner“ Praxis. 

Das Ergebnis sind dann ja wohl nur positive Tests, oder?

ganz persönlicher Einblick

Durch die Augen des Bloggers = subjektiv

Ja und Nein. Wenn ich Produkte von Qualitätsherstellern teste, die zu meiner Ausrüstungsphilosophie passen und die von den Spezifikationen auch zu dem passen was ich da draussen so treibe, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Test – oh Wunder – positiv ausfällt. Das ist kein Problem von Subjektivität, sondern das Ergebnis eines zielgerichteten „Einkaufsprozesses“.

Manchmal gefällt mir ein Produkt tatsächlich gut und die Qualität stimmt nicht. Das findet sich dann auch in meinen Tests. Wenn ein Schuh – so gut er sich auch läuft – mehrmals nach kurzer Zeit den Geist aufgibt, dann sag ich das. Und ja, der Hersteller stellt den Schuh mittlerweile nicht mehr her.

Mehrwert durch Subjektivität

Die leichteste Outdoorküche derWellt ?

Die leichteste Outdoorküche der Welt ?

Wenn ich den Test-Bericht zu einem Produkt, dass von einem Blogger getestet wurde, isoliert betrachte, dann könnte man dem Blogger seine Subjektivität vorwerfen. Allerdings ist der Test-Beitrag ja nicht isoliert, sondern in den Blog und die anderen Themen eingebettet. In meinem Fall schaut man sich das immer durch die Brille eines Long-Distance-Hikers bzw. Leichtgewichttrekkers an. 

Achso…Genau deswegen lesen übrigens meine Leser meinen Blog. Weil ich über Long-Distance-Hiking in den USA und anderswo sowie leichte Ausrüstung schreibe. 

Meine Leser wundert es nicht, wenn ich ein leichtes Produkt teste und das Fazit am Ende positiv ausfällt.

Selbst wenn bei anderen Bloggern dieser Themen-Ausrüstungszusammenhang nicht immer genau so klar ist wie vielleicht bei mir…der Blogger liefert den Kontext in dem der Test-Bericht dann Sinn macht und kommt eben oft genug zu einem positiven Ergebnis oder auch nicht.

Machen es die anderen besser?

Viele Tester, unterschiedliche Meinungen

Viele Tester, unterschiedliche Meinungen

Ja und Nein 🙂 

Stiftung Warentest und bezahlte Magazin-Redakteure haben zugegebenermassen ein paar Testmöglichkeiten, die mir einfach fehlen. Ich kann die Wassersäule einer Jacke z.B. nicht nachprüfen. Auch bei der Atmungsaktivität kann ich nicht auf Laborwerte, sondern lediglich mein subjektives Empfinden zurückgreifen.

Machts das soviel besser?

Ich habe einem respektablen Online-Magazin in den USA mein Vertrauen geschenkt und ein nicht-stinkendes Polyester-Funktionsshirt gekauft. Fazit? STINKT! Jedenfalls bei mir. Die scheinbare Objektivität von Testinstituten und Magazinen führt nicht nur bei mir, sondern vielen anderen Konsumenten zur Enttäuschung, wenn man feststellt, dass man zwar versuchen kann Produkte „objektiv“ zu betrachten, die eigenen (in dem Fall körpereigenen) Befindlichkeiten diese Objektivität aber ad absurdum führen.

Aber die anderen testen doch viel mehr?

Wir leben in einer Konsumgesellschaft in der man nicht alles testen kann und in der auch die anderen nicht alles testen. 255 Regenjacken für Herren bei den Bergfreunden. Selbst wenn ich hier nur eine spezielle Bauart Jacke rausnehme, muss klar sein, dass der aktuelle Jackentest im XY-Magazin oder von der Stiftung Warentest nur einen kleinen Ausschnitt betrachtet. Und dieser Ausschnitt wurde „objektiv“ ausgewählt oder wie? Wenn in einem Trekkinrucksacktest eines großen Magazins dann auch mal einer der größten Rucksackherstellers nicht mitgetestet wird, dann fragt man sich halt auch wie weit es mit der Objektivität hier ist.

Aber Testen ist halt deren Job, die können das doch besser?!

Testen ist teilweise wirklich deren Job und ich kenne Ausrüstungsredakteure deren Fachwissen ich sehr schätze und deren Beurteilungen ich sehr ernst nehme. Leider muss man sagen, das es deren geballtes Fachwissen und Praxis-Know-How oft gar nicht ins Heft schafft. Wie würde denn so ein Magazin auch aussehen, wenn man für eine Jacke mehr Platz hätte als eine kleinen Textkasten mit einem Sternchen drunter? Das wären Telefonbücher…

FAZIT zu subjektiven Tests

Wir kochen alle nur mit Wasser, oder?

Wir kochen alle nur mit Wasser, oder?

Blogger testen subjektiv und das ist gut so. Der Blog gibt dem Leser einem Rahmen vor, der ihm hilft den Test/das Produkt besser einschätzen zu können. Ein wertvoller Rahmen, der vielen „objektiven“ Tests oft abgeht. Für mich als Leser vieler Blogs ist diese subjektive Komponente ein Grund warum ich nach dem Lesen eines Blogartikels ein Produkt kaufe oder nicht.

 

 

6 Kommentare zu “Wie ich teste -Warum Blogger subjektiv testen

  1. Alex

    Das ist absolut berechtigt und die Realität: Menschen urteilen immer subjektiv.
    Selbst wenn alles getan wird, um es objektiv zu gestalten: Der Mensch bleibt Mensch.

    Testvorgänge wie es Stiftungen etc. im Labor vornehmen können, sehe ich als hauptsächlich theoretisch an. Und als berechtigt. Unserer Testläufe sind praxisbezogen. Man ergänzt sich sozusagen.

    Hilfreich finde ich persönlich immer, wenn im Testbericht eingangs beschrieben wird, was der Tester von dem Produkt erwartet und warum er es ausgewählt hat. Das macht den Test transparent und verständlich. Hilft mir als Lese, denselben Fokus einnehmen zu können.

    BTW: Was spielt es schon für eine Rolle, ob ich die Wassersäule nachweisen kann, was eine Wahrscheinlichkeit darstellt? Wenn ich mit dem Produkt unterwegs bin und damit auch bei den widrigsten Bedingungen trocken bleibe, kann ich das Material positiv bestätigen – der Effekt ist real.

    Mein Fazit:
    Subjektive Tests sind wichtig und richtig, wenn es Transparenz drüber gibt, was der Tester zu Beginn für Erwartungen hat.

  2. Martin

    Hallo Carsten,

    genau dieses subjektive Urteil interessiert mich, da heben sich Blogs meiner Meinung nach von Magazinen und der Stiftung Warentest ab. Ich will ja einen Testbericht der unter realen Bedingungen stattgefunden hat, keinen Laborbericht der nur theoretische Fakten wiedergibt…

  3. David Wolf

    Hallo Carsten,

    prima informativer Artikel. Vielen Dank dafür! Ich werde den gleich mal auf FB teilen.

    @ Alex: Das ist ein guter Hinweis mit den eingangs erwähnten Erwartungen an das Testprodukt. Werde ich mir merken und so umsetzen. 🙂

    Liebe Grüße, David vom wanderwütig-Blog!

    1. Admin Autor des Beitrags

      Hi David,

      danke für Deinen Kommentar.

      Wenn man wie Alex die Erwartungen an das Produkt erläutert, wird dem Leser noch klarer wie er das Produkt zu bewerten hat.

      Viel Spaß weiter da draussen.

      Carsten

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